Herzintelligenz HRV-Training

Mit der Arbeit über die Herzintelligenz steht uns eine wunderbare Möglichkeit zur Verfügung, unsere emotionale, mentale und körperliche Gesundheit zu verbessern. Grundvoraussetzung hier ist, dass wir unser Herz nicht nur als zentrale Pumpe in unserem Körper ansehen, sondern die ihm innewohnende kohärente Kraft der Liebe für uns erfahrbar machen.

In den letzten Jahren haben Neurowissenschaftler viele neue Erkenntnisse über unser Herz und seine enormen Fähigkeiten gewinnen können. So kann es neben den hormonell gesteuerten Reaktionsabläufen über sein eigenes unabhängiges Nervensystem direkt auf verschiedene Bereiche und Funktionen im Gehirn ( z.B. Amygdala, Hypothalamus, Limbisches System) Einfluss nehmen. Diese Bereiche im Gehirn sind insbesondere für die Verarbeitung unserer Emotionen zuständig und steuern unseren Umgang mit ihnen. Das Wissen um eine physiologische, d.h. eine stoffliche und nervale Kommunikation zwischen Herz, Verstand (und natürlich auch dem übrigen Körper) mag uns vielleicht helfen, uns unser Herz als die Quelle der sog. „Emotionalen Intelligenz“ vorzustellen. Oder anders ausgedrückt, die Beziehung zwischen unserem emotionalen Gehirn und dem Herzen als eine Art Schlüssel zur „Emotionalen Intelligenz“ zu betrachten. Unser Herz verbindet unseren Intellekt mit unseren Emotionen.

Herzratenvariabilität (HRV)

Der einfachste Weg, Zugang zu unserem Herzen zu finden, ist die bewusste Wahrnehmung unseres Herzschlags. Wir wissen, dass eine Pulsmessung die durchschnittliche Anzahl der Herzschläge pro Minute beschreibt. Wenn wir nun etwas genauer hinspüren, können wir wahrnehmen, dass der Herzschlag auch innerhalb dieser Minute in seinen Schlagabständen variiert, z.B. im Rhythmus unseres Atems. Diese Veränderung der einzelnen Abstände von Herzschlag zu Herzschlag nennt man Herzratenvariabilität HRV (oft auch Herzfrequenzvariabiltät). Sie beschreibt die Möglichkeit unseres Herzens schnell und flexibel auf die unterschiedlichsten Einflüsse von innen und außen zu reagieren und spiegelt so unseren körperlichen und seelischen Gesundheitszustand wieder.

Diese zu jeder Zeit stattfindende Regulation der Herzfrequenz geschieht durch unser autonomes (vegetatives) Nervensystem, abgekürzt ANS. Das ANS sorgt mit seinen beiden Ästen Sympathikus und Parasympathikus für alle Anpassungsvorgänge im Körper, die zur Aufrechterhaltung des Lebens nötig sind. Der Parasympathikus (unsere innere "Bremse") fördert dabei mehr die Ruhe und Regeneration, regelt den Schlaf sowie die Verdauung und sorgt für eine bessere Durchblutung von Haut und inneren Organen. Der Sympathikus (unser "Gaspedal") wird bei größerer geistiger und körperlicher Anstrengung aktiv, er steuert unsere Kampf- und Fluchtreaktionen und optimiert unsere Leistungsfähigkeit, der Herzschlag und die Atmung beschleunigen sich.
Die HRV ist dann am höchsten, wenn Sympathikus und Parasympathikus im steten und gleichmäßigen Wechsel aktiv sind. Vergegenwärtigen wir uns, auf welcher Seite unseres ANS wir uns meistens befinden und welche Auswirkungen auf unsere Gesundheit dies haben kann (oder schon hat), ergibt sich als logische Konsequenz:
Wir sollten wieder lernen, den Rhythmus für einen natürlichen Wechsel in der Aktivität der beiden Äste des ANS zu finden. Dies heißt in den meisten Fällen, unser Bewusstsein zunächst auf den Parasympathikus zu lenken und diesen stärken.

Auch unsere emotionale Verfassung spiegelt sich direkt in unserem Herzrhythmus wieder. Positive Gefühle (Liebe, Wertschätzung, Dankbarkeit, Freude) unterstützen die Ordnung und das Gleichgewicht im ANS und dies hat wiederum einen direkten Einfluss auf die HRV. Der so veränderte Informationsfluss von Herz zum Gehirn unterstützt ein optimales Zusammenspiel der beiden, diesen Zustand nennt man Kohärenz.

Nun gibt es verschiedene Übungsmethoden und Therapieformen, um zu lernen sein vegetatives Nervensystem direkt zu beeinflussen um in den Zustand der Kohärenz zu kommen.

Übungsprogramme

Eine einfache Möglichkeit dies zu tun ist, sich das Zusammenspiel von Herz und Lunge, die sog. Herz-Lungen-Resonanz zunutze zu machen und diese über den Atem zu aktivieren. Dies versetzt uns in die Lage über eine bewusste Rhythmisierung der Atmung direkten Einfluss auf die Aktivität des Parasympathikus zu nehmen und so unsere „innere Bremse“  zu aktivieren. Diese sog. Atem-Kohärenz-Übung kann z. B. durch entsprechend rhythmisierte Musikstücke unterstützt und die Atmung auf diese Weise in einen gleichmäßigen Fluss gebracht werden.

Des weiteren gibt es unterschiedlich Techniken über die Wahrnehmen und Wandlung unserer Gedanken und Gefühle in einen Zustand der Kohärenz zu kommen. Oft halten wir an der Vorstellung fest, es müssten sich nur die äußeren Bedingungen unseres Lebens ändern, damit wir gesunden können.  Hier lernen wir die Kraft und die Energie, die uns dieses oft vergebliche Bemühen kostet, in etwas wirklich Wertvolles investieren, in unser inneres Sein. So können wir die wesentlichste Gestaltungsmöglichkeit in unserem Leben wieder ergreifen.

Die Kohärenz-Übungen haben, wissenschaftlich belegt, positive Auswirkungen auf:

  • Herz-Kreislaufsystem
  • Immunsystem
  • Hormonsystem
  • autonomes und zentrales Nervensystem
  • Muskelsystem

Gerne erarbeite ich mit Ihnen auf dieser Grundlage ein Ihren Bedürfnissen angepasstes Übungsprogramm.

Messung

Um die Herzfrequenzvariabilität zu erfassen kann man in der Praxis mit zwei verschiedenen Systemen arbeiten:
Mit einem Langzeit-EKG kann man das vegetative Nervensystem über lange Zeiträume  (bis zu 24 h) und länger erfassen. So ist es möglich die verschiedenen Belastungssituationen im Tagesverlauf herausarbeiten. Auch die Qualität des Schlafes kann man auf diese Weise beurteilen.
Durch die Erfassung der Herzfrequenz in Echtzeit lässt sich mit Hilfe spezieller Computerprogramme aufzeigen, wie sich Atemrhythmus, aber auch Gedanken und Emotionen auf das vegetative Nervensystem auswirken. So lässt sich ein individuelles Übungsprogramm leichter zusammenstellen und der Erfolg kann durch das veränderte Diagramm deutlich sichtbar werden.

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